Die Wirtschaftskrise und ihre humanitären Auswirkungen auf Europa

Was berichtet uns die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften?1

In Zeit-Fragen, von Katrin Schulte-Holtey, 7. Februar 2011.

Grosse Teile der Bevölkerung quer über den Kontinent leiden unter massiven Folgen der Wirtschaftskrise. Die nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften fungieren als sozioökonomisches Barometer, welches schneller reagiert als irgendwelche Statistiken. Eine zunehmende Zahl von Menschen, einschliesslich solcher, die normalerweise niemals daran denken würden, eine karitative Organisation um Hilfe zu ersuchen, wendet sich heute an die lokalen Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaften, um dort um Unterstützung bezüglich grundlegender, zum Leben notwendiger Güter zu bitten … //

… Die Situation der nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften Die nationalen Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften ringen darum, den wachsenden Bedarf zu decken, und die Not der Menschen zu mildern und nicht nur trotz, sondern auch wegen der immer knapper werdenden ­finanziellen Mittel neue Ansätze entsprechend der neuen Situation zu entwickeln und umzusetzen. Manche bauen ihr Angebot an psychosozialen Unterstützungsprogrammen aus, die ursprünglich für Opfer von Katastrophen entwickelt worden waren. 

Jetzt werden diese auf jene Menschen ausgeweitet, die von der wirtschaftlichen Krise getroffen sind. Solche Unterstützungsprogramme, inkl. Beratungsdienste, sind laut den nationalen Gesellschaften ein Entwicklungsbedürfnis, auch wenn in der Mehrheit der Fälle die nationalen Gesellschaften in Europa auf ihre bewährten Hilfsprogramme zurückgreifen können, um zusätzliche Dienste anzubieten. Die traditionellen Programme sind oft gut etabliert und vor allem auch den Bedürftigen und gegenwärtigen sowie potentiellen Partnern gut bekannt.

Deshalb sind sie meist nachhaltiger als neue und unerprobte Initiativen.
Viele Gesellschaften betonen die Notwendigkeit, Bargeld in die Hände der Bedürftigen geben zu müssen, damit diese ihre Gas- und Stromrechnungen zahlen können.

Das Schwierigste für die Nationalen Gesellschaften ist die mangelnde finanzielle Unterstützung angesichts des wachsenden Bedarfs an Hilfeleistungen. Die operativen Mittel, um die humanitäre Hilfe leisten zu können, sind vorhanden, aber die Güter müssen finanziert werden – und dies ist die grösste Herausforderung. Mit zusätzlichen finanziellen Mitteln könnten die Gesellschaften mehr tun. In Belarus, Moldawien, Russland und der Ukraine beispielsweise unternehmen die Netzwerke der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften beachtliche Anstrengungen, um die Situation unter Kontrolle zu behalten. Neue oder bereits vorhandene Ansätze beinhalten auch hier u.a. psychosoziale Unterstützungsprogramme für Menschen, die unter der Wirtschaftskrise leiden. Man bemüht sich darum, die Haushalte mit Bargeld zu unterstützen, damit Stromrechnungen gezahlt und Lebensmittel gekauft werden können, so dass auch hier die beschränkten ­finanziellen Mittel das Hauptproblem für die nationalen Gesellschaften sind.

95% der nationalen Gesellschaften müssen einen Rückgang ihres Einkommens als Organisation zur Kenntnis nehmen, und etwa zwei Drittel einen schwerwiegenden Einbruch. Besonders die finanzielle Unterstützung durch Unternehmen und Firmen, durch die eigene Regierung und die internationale Unterstützung nahmen ab. Im Hinblick auf individuelle Unterstützungsleistungen ist das Bild unterschiedlich: Mehr als die Hälfte der Gesellschaften berichtet von einem Rückgang an Spenden, der aber noch nicht dramatisch sei. Auffallend ist die Grosszügigkeit einzelner Individuen, die bemüht sind, mit ihrem Beitrag anderen Menschen zu helfen … (restlicher langer Text).

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