Die menschliche Zukunft

(Schon am 6. August 2008 auf Mein Schreibstuben-Blog veröffentlicht, irgendwann anfangs der 90er Jahre geschrieben).

Auf meinen Blogs verlinkt mit Realität Lüge Ego-Aufgabe, mit Gefallene-Engel, Nicht-Gefallene-Engel … und wir als Menschheit, mit … trouvé pendant le reveil: le désir chez Freud, und mit zu Peter Sloterdjiks Buch die Verachtung der Massen.

Die menschliche Zukunft findet nur statt, wenn wir u.a. die Spaltung in x und y in ein akzeptables Gleichgewicht bringen und nicht mehr als Drama hochstilisieren. x und y stehen innerlich für Ich-Funktion zu unserer eigenen verlorenen Paradies-Ganzheit, aber hauptsächlich äusserlich für Einzelmensch zur ganzen Menschheit.

Spaltung durch alle Aspekte hindurch IST Leben, unvermeidlich und nicht ausradierbar. Das ist schmerzlich und doch gleichzeitig gewünscht: es steht Unabhängikgeit gegen Geborgenheit, wir wollen beides.

Was wir noch nicht können: die gespaltenen Einzelteile mit einem akzeptablen Ganzen ausbalancieren. IM Einzelmenschen und auch IN der ganzen Menschheit. Dazu müssen wir lernen, ALLEN Untergruppen ihre autoritäre Macht zu verweigern, diese Scheinwerte, diese Hindernisse zwischen jedem einzelnen und allen zu minorisieren, bloss als verhandelbare Struktur anzuerkennen. Ob Staat, Religion, Familie oder sonst ein Verbund, Untergruppen werden als tragendes Element hochstilisiert und provozieren doch nur 1) Schattenboxen, Kampf, Ungerechtigkeit, Mord (wurde erkannt), oder 2) das Verfehlen der Unendlichkeit durch Ausschluss der übrigen Menschheit (schlimmer, wurde noch nicht erkannt).

Das Gleichgewicht zwischen x und y hat mit der Balance zwischen Unendlichkeit und Endlichkeit zu tun: der Einzelne ist faktisch endlich, die ganze Menschheit weist, wenigstens virtuell, Züge der Unendlichkeit auf. Wenn wir der GANZEN Menschheit das Prinzip der Unendlichkeit zugestehen, holen wir das bisher religiöse Nirwana-Prinzip in die physische, gesellschaftliche Ebene hinunter.

Wir werden x mit y nur dann in ein akzeptables Gleichgewicht bringen, wenn wir den Aspekt der Unendlichkeit religiös entmythologisieren und gesellschaftlich durch Taten realisieren. Wir brauchen u.a. öffentliche Freiräume, damit gellschaftliche Neuerungen nicht wieder ins Private (Endliche) abrutschen. Das Prinzip der Unendlichkeit vom phantasmatisch religiösen Nirvana herunterzuholen und via physisch gesellschaftliche Gerechtigkeit für die ganze Menschheit durchzuziehen heisst aber, dass JEDES Lebewesen seinen gleichberechtigten Platz erhält, gleichberechtigt in Bezug auf die deklarierten Menschenrechte. Auch Kinder sind deshalb vor Untergruppen (Familien etc.) vermehrt durch die GANZE Menschheit zu beschützen (nicht durch eine andere Untergruppe). Sobald die Unendlichkeit minus etwas gilt, sind wir im Endlichen, in der Begrenzung, in der Abgetrenntheit. Eine ganze Menschheit, die sich sattfressen würde – minus drei unerwünschte Negerkinder oder sonst Ausgestossene – ergäbe nur Endlichkeit, also Untergruppendenken, Ungerechtigkeit, Tod.

Eine solche Menschheit würde sich selber umbringen. Ob wir in den 90-Jahren dazu den richtigen Ansatz schaffen?

Das ganze minus ein Punkt ergibt Abgetrenntheit ebenfalls beim Ganzen (dem Punkt gegenüber).

Abgetrenntsein ist mehr als das Manko eines Teiles, eines Punktes. Sobald das Unendliche minus Etwas gilt, ändert sich die Qualität. Die Qualität des Endlichen ist begrenzt und schafft Begrenztheit, auch wenn der Teil sehr gross ist (eine grosse Quantität Begrenztheit ist grösser als eine kleine Quantität, nach dem Motto: viel dreckiges Wasser ist mehr Dreck als eine kleine Pfütze, auch wenn diese dunkler erscheint).

Alle Systeme, die ich bis heute kennen, funktionieren nach dem Prinzip ‘Getrenntheit’: Religionen, Staaten, Wirtschaftsordnungen, Philosophien. Dies ist so, weil die Männerwelt, die uns diese schönen Sachen brachten, aus selber in sich geteilten Wesen besteht. Sie können nur Gleiches hervorbringen, wie sie selber sind (siehe Früchte von den Bäumen).

Es scheint wirklich so zu sein, dass das Prinzip Getrenntheit jetzt in Richtung Einheit tendiert. Einheit ist für uns menschliche Wesen im ganzen Universum (inklusive Ausserirdische) nur möglich, wenn wir uns an das Prinzip der Unendlichkeit halten. Die Unendlichkeit ist die einzige Referenz, die uns letztlich vor Selbstzerstörung schützt, weil sie die einzige Instanz ist, diese caduc /unnötig zu erklären. Dies scheint hoch gegriffen: und was ist denn mit der christlichen Nächstenliebe etc. etc. – Wir sind noch nicht am Punkt angelangt, wo diese Voraussage offensichtlich wird, wahrscheinlich erlebe ich es nicht mehr.

Die Unendlichkeit ist der grösste gemeinsame Nenner von uns allen, d.h. es ist der einzige Nenner, der gleichzeitig über uns alle hinauswächst.

Wenn wir Menschen fähig werden, diesen Nenner zu integrieren, aus ihm zu schöpfen und zum obersten Prinzip allen Handelns werden zu lassen, können wir überleben. Ansonsten wir unweigerlich (und ich wähle meine Worte sehr genau) mithilfe der immer stärker werdenden Technologie einen overkill produzieren.

Sind wir bereit, z.B. auf nur die eine Kompensation von Gottes- Mythologien zu verzichten, nur weil diese phantasmatisch unser einzig gemeinsamer Freiraum bleibt?

Weil auf der physischen Ebene jeder cm2 Boden überall ideologisch, also mit Untergruppen besetzt ist und Sie, ich, wir alle schon lange keinen GEMEINSAMEN, öffentlichen Freiraum mehr haben? Denn, sobald wir privat agieren müssen, zwingt man uns wieder in eine Untergruppe. Innerlich wissen wir ganz genau: es stimmt so nicht.

Aber nur ein Gleichgewicht Einzelmensch zur ganzen Menschheit bringt x zu y in ein akzeptables Verhältnis. Sorry, auch religiös besetzte Untergruppen, die eine solche Oeffnung wollen, riskieren diesen Vorwurf. Sicher spätestens beim Verfestigen von Strukturen, Ritualisieren von Gewohnheiten.

Nur ein Beispiel: das Annehmen einer höher gestellten, nicht-physischen Welt voller lichter Geister, wo vielleicht phantasmatisch auch unser Ueber-Wunderding drinn schwebt und teilhat, kompensiert doch unsere Zustände auf der Erde, die wir gar nicht akzeptieren. Mit jenem nicht-physischen Tummelplatz nehmen wir uns den Willen, das MUSS, hier die Dinge zu verändern.

Bis jetzt wird diese Frage eingeengt, indem sich das Individuum mit Gruppe x oder Gruppe y identifiziert, Gruppen welche gegeneinander irgendwelche Einzelaspekte herausheben.

Schon Platon machte den Fehler und bewertete die Ganzheit über dem Einzelnen, weil Gott zuerst gewesen sei. Daraus zieht sich, zwar arg kaschiert, die männliche Vorherrschaft noch heute ihre Berechtigung. Auch im Mittelalter hatte der Universalienstreit getobt, wurde die Ganzheit gegen das Einzelne ausgespielt. Noch heute leiden christliche und marxistische Streit-Themen unter dieser nicht fertig ausgestandenen Gleichgewichtsstörung. Damit müssen wir aufhören und das wurde teilweise auch eingesehen.

Die menschliche Zukunft findet nur statt, wenn wir aufhören, x gegen y auszuspielen, die Enge des Egos höher zu bewerten, also Kampf heraufzubeschwören. Wir betreiben Schattenboxen mit Werten, die mythologisiert wurden, um Probleme, Leere, Mankos damit zu rechtfertigen. Wir Menschen müssen die Reife erlangen, dass Ideologien ihre Rechtskraft verlieren dürfen, damit ein Gleichgewicht zwischen x und y, zwischen Individuum und ganzer Menschheit angegangen werden kann.

Ideologien dienen immer nur Untergruppen, also bleiben im Endlichen. Auch selbstgebastelte Ideologien.

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