Nur Euro-Islam sollte in Europa Platz haben!

Linked with Bassam Tibi – Syria, and with About Jihad, Islam and Politics.

Prof. Dr. Bassam Tibi, Göttingen, über die Probleme der islamischen Migration in Europa und über die Rolle des Papstes Johannes Paul II. im Dialog der Religionen:

TENDENZEN: Ein türkischer Intellektueller – er gibt islamischen Religionsunterricht an deutschen Gymnasien – sagte mir einmal, wir Europäer – insbesondere Christen – seien in höchstem Maße dekadent. Der Geist des christlichen Abendlandes sei krank. Wenn wir gesund wären, würden wir nicht zulassen, daß sich der Islam so explosionsartig ausbreitet. Sehen Sie das auch so?

Dr. Tibi: Natürlich nicht! Aber das, was Sie da schildern, kenne ich, solche Äußerungen höre ich oft, allerdings nicht von der Mehrheit hierzulande lebender Muslime. Ihr Gesprächspartner gehört wohl zu einer Minderheit unter den Muslimen, die ich Islamisten nenne – diese geben sich zuweilen sehr lautstark und sind die Stimme des politischen Islam. Im Gegensatz zur Mehrzahl hier lebender unpolitischer Muslime sind die Vertreter des Islamismus religiöse Fundamentalisten.

Alleine schon die Wortwahl “dekadent” offenbart einen hohen Grad an Arroganz gegenüber Europa, die sich auf dem Niveau der Euro-Arroganz auf der anderen, d.h. europäischen Seite bewegt. Die Islamisten können in ihrer beschränkten Gedankenwelt, den Begriff “Toleranz” gar nicht erfassen und legen das tolerante Verhalten als Dekadenz aus. Ein Trugschluß sicherlich, er zeigt allerdings, daß manche Europäer vor übertriebener Angst als euro-arrogant zu gelten und diskriminierend zu wirken, nur allzuleicht in das andere Extrem verfallen, nämlich sich selbstverleugend den Nicht-Europäern anzubiedern. Diese Selbstverleugnung, die zu Selbsthaß gesteigert wird, ist erstens keine Alternative zur Euro-Arroganz, zweitens erregt sie nicht nur Mitleid, sondern auch Verachtung – und hier schließt sich der Kreis: Die Islamisten sehen sich in ihrer missionarischen Einschätzung durch das Verhalten der Selbst-Verleugner aufs Neue bestätigt. Es ist zu hoffen, daß viele Europäer diese Zusammenhänge besser erkennen!

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TENDENZEN: Manchmal habe ich den Eindruck, als kämen viele Muslime hierher mit einem Sendungsbewußtsein, das im Verfall befindliche Europa mit islamischer Religion retten zu wollen. Irre ich mich da womöglich?

Dr. Tibi: Diesem Phänomen habe ich in meinem Buch “Europa ohne Identität?” ein ganzes Kapitel gewidmet: “Islamische Migration nach Europa zwischen Fakten und der deutschen Freund-Feind-Debatte über den Islam”. Hier müssen Sie den Ausdruck “Hidjra” verstehen. Es ist ein heiliger Begriff im Islam und er bezieht sich auf die Auswanderung – oder Migration – des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina im Jahre 622 n.Ch. Mit “Hidjra” beginnt die islamische Zeitrechnung! Seitdem ist “Hidjra” – wie ich im erwähnten Buch ausführe – im Sinne der Migration eine religiöse Pflicht für Muslime, weil sie einen Akt der Verbreitung des Islam, und zwar weltweit, symbolisiert. Ich habe in vielen Gesprächen den Eindruck gewonnen, daß die hierzulande Verantwortlichen – sowohl in Kirche und Staat – mit diesem religiös-kulturellen Zusammenhang nicht vertraut sind. Als Gegenstrategie hätten die Europäer geradezu die Pflicht, den hier lebenden Muslimen die Identität der Aufklärung, die Errungenschaften der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), das Prinzip der Achtung der Menschenrechte auch und gerade für Frauen anzubieten! Im 3. Teil meines erwähnten Buches nenne ich die Alternative: “Muhadjirun oder Citoyen”, d.h. Muslime, die nach Europa einwandern als Verbreiter des Islam mittels “Hidjra” oder Muslime als europäische demokratische Bürger? (Der ganze Artikel ist auf TENDENZEN.de zu lesen).

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