GBS unterstützt Prof. Muhammad Sven KALISCH

DEUTSCHLANDS ERSTER PROFESSOR FÜR ISLAMKUNDE IST EIN MANN DER AUFKLÄRUNG!

Verbunden mit dem englisch sprachigen Statement: GBS sustains Prof. Muhammad Sven Kalisch.

per Rundbrief erhalten:

Von: Giordano Bruno Stiftung GBS
Date: 06/11/2008

Pressemitteilung:

Im Jahr 2004 wurde der habilitierte Islamwissenschaftler Muhammad Kalisch auf den ersten Lehrstuhl für die Ausbildung islamischer Religionslehrer in Deutschland berufen. Vier Jahre später, im September 2008, beendete der “Koordinationsrat der Muslime in Deutschland “(KRM) seine Zusammenarbeit mit Kalisch im Beirat des “Centrums für Religiöse Studien” der Universität Münster mit einem Paukenschlag: Die Muslimverbände erklärten, man könne niemandem empfehlen, bei Professor Kalisch zu studieren, da er grundsätzliche Lehren des Islam, wie die Existenz Mohammeds und die Grundlagen der Entstehung des Koran, in Zweifel ziehe. Die historisch-kritische Methode, auf die sich Kalisch berufe, dürfe auf den Islam nicht angewandt werden. Daraufhin knickte das NRW-Wissenschaftsministerium ein und kündigte in Einvernehmen mit den konservativen Muslimverbänden an, an der Universität Münster eine zweite Professorenstelle für islamische Religionswissenschaft einzurichten, die dann für die Ausbildung künftiger Lehrer für Islamkunde oder Islamunterricht verantwortlich sei.


Aus Sicherheitsgründen musste Kalisch mit seinen Institutsmitarbeitern nun in ein anderes Gebäude der Universität Münster umziehen, was medial für einige Schlagzeilen sorgte. Bedauerlicherweise wurden in der Berichterstattung Kalischs Argumente, die ihn dazu brachten, Mohammeds Existenz anzuzweifeln und den Islam insgesamt kritisch zu hinterfragen, kaum berücksichtigt. Deshalb hat sich die Giordano Bruno Stiftung dazu entschlossen, Kalischs wegweisende “Anmerkungen zu den Herausforderungen der historisch-kritischen Methode für das islamische Denken” auf ihrer Website zu veröffentlichen und auch auf anderem Wege zu verbreiten.

Nach einem längeren Telefonat mit Muhammad Kalisch erklärte Stiftungssprecher Michael Schmidt-Salomon am Donnerstagnachmittag in Mastershausen: “Muhammad Kalisch hat mich ebenso erstaunt wie beeindruckt. Er ist wahrhaftig ein Mann der Aufklärung, der unsere volle Unterstützung verdient. Seine Positionen sind nicht nur gut begründet, er hat auch den Mut, sie in aller Öffentlichkeit zu vertreten – trotz der Gefahren, die damit verbunden sind. Der Fall Kalisch macht Hoffnung, dass der Islam möglicherweise den Prozess der Aufklärung doch schneller durchlaufen könnte, als wir dies bisher angenommen
haben. Immerhin muss man feststellen: Auf etwa 100 katholische Theologieprofessoren kommt ein Horst Herrmann, auf 100 protestantische Theologen ein Gerd Lüdemann. Dass sich mit Muhammad Kalisch gleich der erste universitäre Islamtheologe in Deutschland so konsequent in die Tradition der Aufklärung stellt, könnte ein Zeichen dafür sein, dass wir die rationalistische Tradition innerhalb der muslimischen Philosophie gemeinhin kolossal unterschätzen. Ich kann nur jedem empfehlen, Kalischs Anmerkungen zur historisch-kritischen Methode zu lesen, und hoffe, dass die verantwortlichen Politiker einsehen, dass man einen Hoffnungsträger wie Kalisch nicht aus falscher Rücksichtsnahme auf das akademische Abstellgleis schieben darf.”

Siehe: Mohammad Kalisch: Islamische Theologie ohne historischen Muhammad – Anmerkungen zu den Herausforderungen der historisch-kritischen Methode für das islamische Denken, 30 pdf-Seiten.

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Auszug aus seinem Pflichtenheft:

Muhammad Kalisch ist der erste Inhaber des Lehrstuhls für „Religion des Islam“ am Centrum für Religiöse Studien an der Universität Münster. Der Islam-Theologe, Philosoph und Volljurist mit perfekten Kenntnissen insbesondere der arabischen, persischen und türkischen Sprache ist ein hervorragender Wissenschaftler. Sein Lehrauftrag verpflichtet Kalisch, zukünftigen Religionskundelehrkräften wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln.

Dazu gehört:

  • sich eigene Vorstellungen zur Religion auf verschiedenen Ebenen – vom eigenen Gottes- und Menschenbild bis zu aktuellen Themen – bewusst zu machen;
  • sie in der Auseinandersetzung mit anderen Sichtweisen und neuem Wissen kritisch zu prüfen und gegebenenfalls zu verändern;
  • theologische Bedingungen und Konsequenzen für eigenes Handeln beurteilen zu können;
  • ethische und religiöse Vorstellungen in ihrer Bedeutung für das gesellschaftliche Denken ermessen zu können;
  • theologisch-philosophische Argumente und Positionen zu analysieren – insbesondere im Hinblick auf entstehungsgeschichtlich implizite Werthaltungen, praktische religiöse Konsequenzen und die mit ihnen verfolgten Interessen;
  • sich mit autoritaristischen Argumentationen kritisch auseinanderzusetzen und darauf zu reagieren.

Professor Kalisch schafft somit die fachlichen, didaktischen und methodischen Voraussetzungen für zukünftigen islamischen Religionskundeunterricht. Untrennbar verbunden ist damit, provokante Thesen zur Diskussion zu stellen. Kalisch hat den Auftrag der Universität, seine Studierenden zum Mitdenken statt zum blinden Glaubensgehorsam auszubilden.

Mit ihrer Distanzierung von der ergebnisoffenen Wissenschaft lassen die im KRM versammelten Verbände, die ohnedies bei dieser Ausbildung rechtlich nicht eingebunden werden müssen, eine historische Chance verstreichen, mit einem Hoffnungsträger die Zukunft des Islam und der Gesellschaft in Deutschland insgesamt mitzugestalten.

Wir solidarisieren uns mit dem Lehr- und Forschungsauftrag von Professor Kalisch und dessen Durchführung:

  • Unterschriftenliste: Solidaritätserklärung mit dem Lehr- und Forschungsauftrag von Professor Dr. Muhammad Sven Kalisch.

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